Hausaufgaben schon gemacht?

Erinnerst du dich an deine eigene Schulzeit? Bestimmt gibt es einige schöne Erlebnisse darunter, lustige Anekdoten und vielleicht auch traurige oder ärgerliche Erinnerungen. Und wie war das mit den Hausaufgaben? Hast du diese gerne gemacht oder waren sie halt ein notwendiges Übel?

In meinen Lerncoachings sind für die meisten Kinder und Jugendlichen die Hausaufgaben eine unliebsame Bürde, die – vielleicht nebst dem frühen Aufstehen – am liebsten abgeschafft würde. Und doch halten sich die Hausaufgaben trotz Lehrplan 21 in vielen Schweizer Gemeinden hartnäckig – nicht zuletzt wegen uns Eltern… Wir möchten gerne sehen, wo unser Kind steht und Hausaufgaben gab es schliesslich schon immer, die kann man doch nicht einfach abschaffen… Amüsant dazu unten angehängter Filmtipp aus dem SRF Archiv.

Wie können wir also unser Kind in seinem Lernen begleiten, möglichst konfliktfrei und ohne zu stark zu kontrollieren?

Gerne mache ich wieder einmal auf die Konzentrationsspanne von Kindern aufmerksam. Häufig wird viel zu lange am Stück gearbeitet. Es lohnt sich, eine kurze Pause zu machen, bevor das Kind müde ist. Die durchschnittliche Konzentrationszeit von Kindern ist 2 x das Alter (also von einem 10-jährigen Kind ca. 20 min.). Als kurze Pause eignen sich Aktivitäten (5 min.) wie:

  • Bewegung (z.B. Trampolin, Liegestütz, Tanzen,…)
  • Wasser trinken
  • Lieblingslied hören
  • Aus dem Fenster schauen, etc.

Ein Hausaufgabenplan kann dabei helfen, den Überblick zu haben, nichts zu vergessen und abstreichen (oder bei Post-it-Zetteln wegwerfen) zu können, was erledigt ist. Folgende Fragen lohnt es sich, dafür zu stellen:

1. Was habe ich auf?
2. Wie lange brauche ich dafür?
3. Welches Material benötige ich?
4. Bis wann muss was fertig sein?
5. Wann habe ich Zeit?

Der anschliessende Lernplan kann z.B. so aussehen:

□ 15’ Rechenblatt
□ 5’ Trampolin
□ 10’ Deutschblatt
□ Lieblingslied hören
□ 5’ Englisch-Wörter lernen
□ Nach dem Abendessen: Schwierige Stellen im Diktat anschauen

Übrigens muss nicht immer direkt nach der Schule die beste Zeit für Hausaufgaben sein. Es gibt Kinder, die eine längere Pause brauchen und vor resp. nach dem Nachtessen sehr konzentriert und effizient arbeiten können. Probiere doch mit deinem Kind aus, was bei ihm am besten funktioniert. Vielleicht hilft euch folgende Übung einer Lehrerin aus dem Buch «Das selbstdisziplinierte Klassenzimmer» von Pearl Nitsche, die es mit der «Rucksack-Übung» schaffte, die Aufmerksamkeit der Kinder auch in der letzten Schulstunde hochzuhalten.

Erzähle deinem Kind dazu folgende Geschichte:

“Stelle dir vor, du gehst wandern. Du hast einen kleinen Rucksack dabei mit Essen und Trinken. Im Laufe der Wanderung findest du viele tolle Dinge, die du alle in deinen Rucksack packst: Schöne Steine, Wurzeln, Blumen. Dein Rucksack wird irgendwann ganz schön schwer. Und schon bei der nächsten Steigung ist er so schwer, dass du müde bist und nicht mehr weiterkannst. Was machst du nun?”

Dein Kind wird jetzt wahrscheinlich antworten: “Alles was ich nicht brauche, räume ich aus dem Rucksack aus!”

Dann erzähle weiter:

“Den ganzen Tag hast du deinen “Rucksack” gefüllt, du hast Vieles erlebt: Schöne und weniger schöne Stunden und Erlebnisse, gute und vielleicht nicht so gute Begegnungen und Gespräche. Und so ist auch dein Rucksack jetzt gefüllt und vielleicht ist er sehr schwer und du hast keine Kraft und keine Lust weiterzumachen, mit den Hausaufgaben und dem Lernen. Deshalb kannst du dich jetzt davon befreien. Leere deinen Rucksack aus. Befreie dich von allem, was du nicht mehr haben möchtest!
Stelle dich einmal hin, schüttle deine Arme und Beine kräftig aus und streife mit deinen Händen alles ab, was du nicht mehr haben möchtest. Gehe in Gedanken zu dem, was du loslassen möchtest, was dich jetzt im Moment belastet und dann streife es nach und nach von deinen Armen und Beinen ab.

Wenn du alles losgelassen, deinen Rucksack also geleert hast, ist es wichtig, dass du ihn wieder mit den wichtigen Dingen füllst, damit du auch etwas leisten kannst. Beim Wandern brauchst du Essen und Trinken, damit du Energie bekommst. Jetzt für die Hausaufgaben- und Lernzeit braucht dein Gehirn auch die notwendige Energie.”

Vielleicht braucht dein Kind jetzt ein feines Zvieri, etwas frische Luft und Bewegung oder es legt sich kurz hin, damit es gestärkt und mit neuer Energie seine Hausaufgaben anpacken kann. Die Geschichte kennt es nun, also braucht es zukünftig nur noch «seinen Rucksack zu leeren», alles Belastende abzustreifen, um neu beginnen zu können.

Hier findest du den Beitrag von elternbildung.ch «Hausaufgaben: Begleiten statt Einmischen». Und natürlich wünsche ich euch: Gutes Gelingen! 😊

Filmtipp: SRF1 Lang ist’s her

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